Verbindungsqualität des schienengebundenen Personennahverkehrs in der Großregion

Die grenzüberschreitenden Verflechtungen im Arbeitsmarkt der Großregion sind hoch und steigen kontinuierlich. Dadurch erhöhen sich auch die grenzüberschreitenden Verkehrsflüsse. Dieser Trend trifft allerdings auf eine Verkehrsinfrastruktur, die ursprünglich nicht für tägliche Berufspendler vorgesehen war: Wichtige Weichenstellungen der Verkehrspolitik entstammen einer Zeit, in der die Grenzregionen eher als periphere Randbereiche und nicht als Teile hochdynamischer, internationaler Arbeitsmärkte galten. Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt in der Großregion ist vor allem seit den 1990er Jahren entstanden. Nach und nach folgte der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, beispielsweise mit der Autobahn Luxemburg–Trier oder den TGV-Anbindungen in Richtung Frankreich.

Die Reisezeit und damit die erzielbare Reisegeschwindigkeit ist ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Verkehrsverbindungen aus Nutzersicht. Zur Bewertung der Qualität werden die Luftliniengeschwindigkeiten zwischen den Zentren in der Großregion und um sie herum herangezogen. Diese werden ermittelt aus der tatsächlichen Reisezeit über die jeweiligen Verkehrsnetze, geteilt durch die Luftliniendistanz zwischen zwei Orten.

Die schienengebundene Ausstattung der Großregion wird unter zwei räumlichen Perspektiven analysiert, der überregionalen und der intraregionalen Verbindungsqualität (s. Karten unten). Erkennbar sind jeweils die Luftliniengeschwindigkeiten, die werktägliche Häufigkeit der Verbindungen und die Notwendigkeit zum Umsteigen.

Die linke Karte zeigt die überregionale Anbindung zum Kern der Großregion, hier beispielsweise bezogen auf die Stadt Luxemburg als metropolitanen Kern der grenzüberschreitenden Verflechtungen. Schnelle Bahnverbindungen von Luxemburg nach Paris und Straßburg bieten gute Reisegeschwindigkeiten. Die Linien, die Luxemburg mit Brüssel und den deutschen Städten verbinden, bleiben weit dahinter zurück. Die metropolitane Qualität, die der Großregion bei vielen Indikatoren wirtschaftlicher Art zukommt, spiegelt sich nicht in der Qualität ihrer Erreichbarkeit wider. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu den Verbindungsqualitäten zwischen Zentren, die um die Großregion liegen. Diese werden durch die TGV- und ICE-Züge mit hohen Reisegeschwindigkeiten miteinander verknüpft, die in diesem Maße von Luxemburg aus nur in Bezug auf die französischen Metropolen erzielt
werden.

Die rechte Karte zeigt die Verbindungsqualitäten im schienengebundenen Personennahverkehr für ausgewählte Strecken zwischen den Oberzentren der Großregion. Da zwischen Saarbrücken und Luxemburg keine Züge verkehren, wurden zur Darstellung dieser Verbindung die Fahrtzeiten einer direkten Schnellbusverbindung von Bahnhof zu Bahnhof herangezogen. Das Vorherrschen roter Farben illustriert die relativ niedrigen Geschwindigkeiten. Von den grenzüberschreitenden Verbindungen wird die Achse Nancy–Metz–Luxemburg häufiger bedient als die Achse Namur–Luxemburg. Die grenzüberschreitenden Verbindungen mit Deutschland erfordern oftmals Umstiege und sind vergleichsweise langsam. Auch innerhalb der nationalen Teilregionen zeigt sich ein ähnliches Bild. Wenngleich auf einigen zentralen Achsen eine hohe Zahl von Zügen verkehrt, zeichnen sich die Verbindungen doch – auch aufgrund fehlender Schnellfahrtstrecken – durch relativ geringe Geschwindigkeiten aus.

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