Aus Frankreich ins Saarland am Arbeitsort (Kreise) : 2005-2015

Die Karte entstammt einer Zusammenarbeit zwischen dem GIS-GR und der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle (IBA) der Großregion. Sie ist Teil des Berichts zur Arbeitsmarktsituation 2015/2016 in der Großregion, welcher die IBA für den Gipfel der Großregion erstellt hat. Die Karte stellt die Aufteilung und die Gesamtzahl der im Saarland beschäftigten Berufspendler aus Frankreich zum 30. Juni 2015 nach Arbeitsort (Kreise) sowie die Entwicklung der Pendlerzahlen zwischen 2005 und 2015 dar.

 

Erstmals seit Jahren pendeln wieder mehr Menschen aus Frankreich ins Saarland

Mitte 2015 pendelten 17.945 Arbeitskräfte aus Frankreich täglich zu ihrem Arbeitsplatz im Saarland. Das bedeutet, dass es zum ersten Mal seit langem wieder einen Anstieg bei den Grenzgängern aus Frankreich ins Saarland gibt. Dies gab es zuletzt nur bis zum Jahr 2001 und einmalig in 2011 (+0,4%). Im Jahr 2015 betrug die Zunahme 1,1% oder 188 Personen. Diese Entwicklung ist auf die typischen Grenzgänger zurückzuführen (+403); die Zahl der atypischen Grenzgänger ist dahingegen weiterhin rückläufig (-215).

In den Jahren 2012 und 2013 verzeichnete das Grenzgängerwesen an der Saar noch starke Einbußen (-3,5% bzw. -4,0%). Die Rückgänge dieser Jahre erreichen demnach in etwa die Größenordnung des Minus von 4,1% auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009, als sowohl die Wirtschaft stark einbrach (-9,8%)  als auch die Gesamtbeschäftigung im Saarland abbaute (-0,8%) . Die hohen Minuswerte der Einpendlerströme aus 2012 und 2013 lassen sich nur bedingt über Arbeitsmarktdynamik erklären: die Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt stieg auf einem niedrigen Niveau weiter an (2012: +1,7%; 2013: +0,1%) . Für die Jahre 2014 und 2015 verzeichneten die Grenzgänger einen leicht abgeschwächten Rückgang von -2,3% sowie ein Plus von 1,1%. Dem stehen Wachstumsraten von 0,8% bzw. 1,2% für alle saarländischen sozialversicherten Beschäftigten gegenüber.

Der Blick auf die Grenzgängerzahlen früherer Jahre bestätigt, dass der Rückgang der französischen Einpendler nicht hinreichend über konjunkturelle oder kurzfristige Entwicklung erklärt werden kann, sondern tiefer gehende Veränderungen stattgefunden haben müssen: Die Zahl an Einpendlern aus Frankreich ins Saarland geht bereits seit 2001 kontinuierlich zurück. Die Betrachtung der Entwicklung zwischen 2005 und 2015 weist einen Abbau des französischen Einpendlerstroms um 15% bzw. 3.171 Personen aus. Im gleichen Zeitraum hingegen hat die Gesamtanzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Saar um 10% zugelegt. Der Anteil der Grenzgänger an der Gesamtzahl an beschäftigten Arbeitnehmern im Saarland betrug im Jahr 2015 somit noch lediglich 4,8% (2005: 6,2%).

 

Fast jeder dritte Grenzgänger aus Frankreich ist deutsch

Bei der Betrachtung der Entwicklung des französischen Grenzgängerstroms ins Saarland sind die Unterschiede zwischen atypischen und typischen Grenzgängern zu berücksichtigen. Unter den einpendelnden Personen aus Frankreich befanden sich 2015 an die 5.250 Deutsche. Diese sogenannten atypischen Grenzgänger machten somit 29% des Einpendlerstroms aus. Deren Anteil lag damit auch 10 Prozentpunkte höher als im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz (19%). Dies lässt sich über eine lange Tradition der Wohnmigration im Gebiet um die saarländisch-lothringische Grenze erklären, deren Wurzeln bis zu Beginn der 1960er Jahre zurückreichen.  Die grenzüberschreitende Wohnortmobilität nahm besonders in den 1990er Jahren kontinuierlich zu.  Anlass für den Wohnortwechsel waren vor allem die attraktiven Grundstücks- und Immobilienpreise in Lothringen, welche auch erwerbstätigen Deutschen mit relativ geringem Einkommen die Möglichkeit boten, Wohneigentum mit relativ großer Fläche in einem eher dörflichen, erholsamen Lebensumfeld zu erwerben, von wo aus weiterhin der angestammte Arbeitsplatz in der Heimatregion erreicht werden kann. Neben der gut ausgebauten Straßeninfrastruktur und den finanziellen Vorteilen durch den Status als Grenzgänger wurde dieses grenzüberschreitende Mobilitätsmuster auch dadurch begünstigt, dass – zumindest damals – auf französischer Seite vielerorts noch der regionale germanophone Dialekt gesprochen wurde. Vor diesem Hintergrund hat sich die Zahl der Deutschen, die in Frankreich leben und im Saarland arbeiten, stark erhöht.

 

Über die Hälfte der Franzosen an der Saar arbeitet im Regionalverband Saarbrücken

Die aus Frankreich einpendelnden Arbeitskräfte arbeiten überwiegend an Orten, an denen – neben Handel und wirtschaftsnahen Dienstleistungen – die Verarbeitende Industrie mit ihren Standorten der Metallverarbeitung bzw. der Automobil- und Zuliefererindustrie angesiedelt ist. So sind fast 60% der Grenzgänger im Regionalverband Saarbrücken, gut ein Fünftel im Kreis Saarlouis und 13% im Saarpfalz-Kreis beschäftigt. Auf die übrigen saarländischen Landkreise entfallen demgegenüber lediglich insgesamt 6% aller Einpendler aus Frankreich. Im Hinblick auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre ist die Zahl der Grenzgänger in allen Landkreisen gesunken, wobei der Rückgang in Merzig-Wadern mit -43% (ca. 400 Personen) überdurchschnittlich stark ausgefallen ist (der größte Arbeitgeber in diesem Kreis ist Villeroy&Boch, gefolgt von SaarGummi und der Kohlpharma Vertriebs GmbH). Die größte Anzahl an Arbeitsplätzen für Grenzgänger wurde im Regionalverband Saarbrücken abgebaut: gut -1.800 Arbeitsplätze (-15%). Dennoch konzentriert sich der Rückgang des Grenzgängeraufkommens nicht speziell auf einen Kreis, sondern lässt sich in allen saarländischen Kreisen beobachten. Auch eine Differenzierung nach Geschlecht zeigt, dass sowohl weniger Frauen als auch Männer von Frankreich ins Saarland pendeln. Die negative Entwicklung seit 2005 ging aber vor allem zulasten der Männer (-15%; Frauen: -11%), da diese in Branchen, welche der wirtschaftliche Strukturwandel besonders trifft, häufiger beschäftigt waren bzw. sind als Frauen. Dennoch machen männliche Einpendler weiterhin 64% des Stroms aus Frankreich aus.
 

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