Zwischen der Wallonie und Frankreich - 2013

Während die erste Karte die Aufteilung und die Gesamtzahl der in Frankreich wohnenden Grenzpendler am 20.06.2013 nach Arbeitsort (Provinz) illustriert, stellt die zweite Karte die Aufteilung und die Gesamtzahl der wallonischen Pendler zum 30.06.2013 nach Wohnort (Arrondissement) dar. Außerdem zeigen beide Karten die jeweilige Entwicklung der Pendlerzahlen zwischen 2003 und 2013 auf. Die angegebenen Zahlen auf beiden Karten beinhalten die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens.

Die Wallonie weist nach Luxemburg die höchste Anzahl an Einpendlern in der Großregion auf. Die erste Karte macht deutlich, dass 72% der in der Wallonie beschäftigten Grenzgänger aus Frankreich in der Provinz Hennegau arbeiten. Die Grenzpendler in diesem Gebiet stammen aus der französischen Nachbarregion Nord-Pas-de-Calais. Die Provinz Luxemburg bildet einen sekundären Beschäftigungsschwerpunkt der französischen Grenzgänger (21,0%, 6 109 Personen). Ihr Einzugsgebiet umfasst in erster Linie den Nord-Westen der Region Lothringen und in geringerem Maße das Departement Ardennes der Region Champagne-Ardenne.1

Der Grenzgängerstrom der Wallonen nach Frankreich ist weitaus weniger stark ausgeprägt als der französische Grenzpendlerstrom in die Wallonie (5 952 gegenüber 29 129 Personen). Es handelt sich hierbei größtenteils um die Einwohner der Arrondissements Mouscron und Tournai, welche die Wallonie verlassen, um ihrer Arbeit in Frankreich nachzugehen (69,9%, 4 163 Personen).

Der Grenzgängerstrom zwischen der Wallonie und Frankreich ist während des Zeitraums 2003-2013 in beide Richtungen angestiegen. Allerdings ist der Zuwachs in absoluten Zahlen weitaus bedeutender in Richtung der Wallonie. Ab 2009 hat sich der Zuwachs der Pendlerzahlen jedoch abgeschwächt. Diese Stagnation der Pendlerbewegungen ist teilweise auf die Änderung besteuerungsrechtlicher Vorschriften ab dem 1. Januar 2012 zurückzuführen. Diese sieht vor, dass jeder Beschäftigte seine Steuern nunmehr an seinem Arbeitsort bezahlt. Allerdings ist festzuhalten, dass die Besteuerung nur einen von vielen bestimmenden Faktoren der grenzüberschreitenden Beschäftigung darstellt. Letztere wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Kriterien geografischer Erreichbarkeit sowie der Übereinstimmung zwischen der Qualifikation des Einzelnen und den Erfordernissen des Arbeitsmarkts auf beiden Seiten der Grenze bestimmt. Neben der geografischen Nähe der wallonischen Beschäftigungszentren wird die grenzüberschreitende Mobilität der Bevölkerung aus dem französischen Nord-de-Pas-de-Calais durch das begrenzte Arbeitsangebot in ihren Wohnregionen stimuliert. Dies betrifft vor allem die Arbeiter. Außerdem bleibt der belgische Arbeitsmarkt aufgrund besserer sozioökonomischer Ergebnisse gegenüber den Wohnorten der Grenzpendler attraktiv. Andere Faktoren sind die Übereinstimmung zwischen den Erfordernissen des wallonischen Arbeitsmarktes und dem Profil der in Frankreich ansässigen Personen, sowie die weiterhin höheren Gehälter in Belgien, auch nach der Revision des französisch-belgischen Steuerabkommens.2

Die grenzüberschreitende Beschäftigung der Franzosen in der Wallonie betrifft in erster Linie das verarbeitende Gewerbe und die Männer (75%). Außerdem ist ein Drittel der Berufspendler unter 30 Jahre alt. Diese jungen Grenzpendler arbeiten verhältnismäßig häufiger in den Sektoren „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“, „Gesundheits- und Sozialwesen“ sowie „Beherbergung und Verpflegung von Gästen“, was wiederum die Tendenz zu einer Tertiarisierung der grenzüberschreitenden Beschäftigung in der Großregion bestätigt.

  1. Le Forem, EuresChannel, CSEF (2013): Flux de travailleurs de part et d’autre de la frontière franco-belge sur le territoire de l’EuresChannel. Dernères évolutions, rapport 2013
  2. INSEE Nord-Pas-de-Calais, EuresChannel, Pôle Emploi (2014): Opportunités d’emploi et accessibilité favorisent le travail frontalier. Pages de profil n° 149
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