Gesamtbevölkerung aggregiert nach territorialer Ebene 1990-2000 und 2000-2010

Die Karten und die Tabelle unterstreichen die Tatsache, dass sich für die Mehrzahl der Regionen die demografische Tendenz des Zeitraums 1990-2000 im Laufe des nachfolgenden Jahrzehnts intensiviert hat. Demnach verzeichnen Lothringen, Luxemburg und die Wallonie einen anhaltenden Bevölkerungsgewinn mit einer höheren mittleren Wachstumsrate als für das vorherige Jahrzehnt. Im Saarland hat sich der Bevölkerungsrückgang verstärkt.

Demgegenüber steht die Entwicklung in Rheinland-Pfalz, das zwischen 1990 und 2000 noch einen starken Bevölkerungsanstieg verbuchen konnte, aber im darauffolgenden Jahrzehnt einen Rückgang seiner Bevölkerung hinnehmen musste. Lediglich jene Gebiete, die sich den Arbeitsmarktzentren außerhalb des Bundeslandes zuwenden, können noch ein Wachstum aufweisen. Diese Entwicklung trifft in erster Linie auf die angrenzenden Gebiete der Metropolregionen Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Rhein-Neckar entlang des Rheintals sowie auf die Region Trier zu. Was letztere betrifft, ist dieses Phänomen gewiss auf die wirtschaftliche Dynamik Luxemburgs zurückzuführen, welche Bevölkerungsteile anzieht, die sich nahe der Grenze ansiedeln, um in Luxemburg zu arbeiten. Andererseits lassen sich auch immer mehr Luxemburger in den angrenzenden Regionen nieder, um von dort aus zu ihrem Arbeitsplatz im Großherzogtum zu pendeln.

Außerdem ist festzuhalten, dass der Bevölkerungsrückgang in Rheinland-Pfalz in erster Linie die ländlichen Räume betrifft. Einerseits findet eine Binnenwanderung in Richtung der kreisfreien Städte statt, welche zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass einige Städte eine Zweitwohnsteuer eingeführt haben. Daraufhin haben viele Bürger ihren städtischen Nebenwohnsitz in einen Hauptwohnsitz umgemeldet. Andererseits ist die Alterung der Gesellschaft stärker in den ländlichen Gebieten ausgeprägt als in den Städten1.

Im Saarland ist fast das gesamte Gebiet des Bundeslandes zwischen 2000 und 2010 vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Analog zu der Entwicklung in Rheinland-Pfalz haben viele Gebiete, die während des Zeitraums 1990-2000 noch ein Bevölkerungswachstum verbuchen konnten, einen Einwohnerverlust für das Jahrzehnt 2000-2010 erlebt. Diese Entwicklung entspricht dem deutschen Phänomen des „demografischen Wandels“, welcher durch eine Überalterung gekennzeichnet ist, die aus einer unterdurchschnittlichen Geburtenrate gegenüber einer steigenden Lebenserwartung resultiert. Tatsächlich ist knapp ein Viertel der saarländischen Bevölkerung über 65 Jahre alt. Damit leben im Saarland mittlerweile mehr Menschen über 65 Jahre als unter 35. Allerdings ist der Bevölkerungsrückgang auch auf eine schwache bis nicht stattfindende Immigration und die Auswanderung der Saarländer in andere Bundesländer zurückzuführen. Lediglich die Gemeinden Mettlach und Perl (+16,0%) weisen ein Bevölkerungswachstum innerhalb des Zeitraums 2000-2010 auf. Diese beiden Gemeinden liegen in Nähe der Grenze und werden gewiss vom luxemburgischen Wirtschaftswachstum begünstigt, indem sich Grenzpendler und luxemburgische Staatsbürger hier niederlassen2.

In der Wallonie lässt sich ein eher umgekehrtes Phänomen erkennen. Hier haben die großen Städte (Lüttich, Charleroi, Mons), die einen Einwohnerschwund während des vorangegangen Jahrzehnts erlebt haben, einen Bevölkerungsgewinn für den Zeitraum 2000-2010 verbuchen können. Außerdem ist festzuhalten, dass die Arrondissements Waremme und Nivelles im Norden der Wallonie sowie die Arrondissements Bastogne und Arlon im Südosten die stärksten Bevölkerungsgewinne aufzeigen. Diese Tendenz spiegelt die Attraktivität dieser Gebiete für jene Bevölkerungsteile wider, die auf der Suche nach einer besseren Lebensqualität in vornehmlich ländlichen Gebieten sind und/oder nach Gebieten in Nähe – und nicht etwa im Kern – von großen Städten wirtschaftlicher Bedeutung, wie Brüssel und Luxemburg3.

In Lothringen fällt ebenfalls auf, dass viele Gebiete, die noch einen Bevölkerungsrückgang zwischen 1990 und 2000 erlebt haben, einen Wiederanstieg zwischen 2000 und 2010 aufweisen können. Diese Entwicklung ist teilweise auf die demografische Erneuerung der ländlichen Gebiete zurückzuführen, welche vor allem durch die periurbanen Gebiete in Nähe der Ballungsgebiete von Nancy und Metz sowie entlang des luxemburgischen Grenzstreifens getragen wird. Dieses Phänomen der Periurbanisierung, das Wohn- und Arbeitsort zunehmend voneinander trennt, wird durch einen umfangreichen Neubau begleitet und begünstigt die Ortschaften und Dörfer entlang der wichtigen Straßenachsen. Eine solche Entwicklung kann beispielweise im Norden Lothringens beobachtet werden, dessen Attraktivität auf die geografische Nähe zu Luxemburg und den starken Anstieg der grenzüberschreitenden Beschäftigung zurückzuführen ist. So weist der Kanton Cattenom innerhalb des Zeitraumes 2000-2010 das stärkste Bevölkerungswachstum aller lothringischen Gebiete auf (+24,0%). Demgegenüber können die isolierten ländlichen Gebiete, die größtenteils an der westlichen Grenze der Region liegen, nur in seltenen Fällen von dieser Entwicklung profitieren4.

Was das Bevölkerungswachstum betrifft, nimmt das Großherzogtum Luxemburg eine Sonderstellung in der Großregion ein. Mit einem mittleren Bevölkerungswachstum von 14,8% (1990-2000) bzw. 15,3% (2000-2010) übertrifft die demografische Entwicklung des Großherzogtums bei weitem die mittleren Wachstumsraten für die gesamte Großregion (3,8% und 1,8%). In der Tat weisen alle Kantone innerhalb des Zeitraums 2000-2010 einen Einwohnergewinn von über 10% auf. Hierbei ist festzuhalten, dass die Kantone im Norden des Landes (Clerf, Vianden, Wiltz) die höchsten Zugewinne von über 20% aufzeigen.

Quellen:

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2012): Rheinland-Pfalz 2060. Dritte regionalisierte Bevölkerungsberechnung (Basisjahr 2010)
  2. Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes (2012): Demografischer Wandel im Saarland. Zahlen, Daten, Fakten.
  3. DG04, IWEPS, DREAL, Conseil Régional du Nord-Pas-de-Calais, INSEE Nord-Pas-de-Calais (2012): Atlas Transfrontalier 2012. Deuxième série
  4. INSEE Lorraine (2013): Le rural Lorraine: plus dynamique autour des villes.
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