Gesamtbevölkerung nach funktionalem Stadtgebiet 1990-2000 und 2000-2010

©Berechnungen: GIS-GR

 

Das Ziel dieses Indikators ist es, die nationalen und regionalen Verwaltungsgrenzen zu überwinden, um eine wirkliche großregionale Analyse zu ermöglichen.

Der Begriff „funktionale Gebiete“ oder „functional urban areas (FUA’s)“ bezeichnet eine Fläche, die einen oder mehrere urbane Zentren („morphological urban area“) und das umgebende Gebiet umfasst. Der Umfang der FUA wird durch die Zone definiert, aus der 10% der aktiven Bevölkerung in Richtung der MUA(s) pendelt.

Diese Abgrenzung wird oft auf europäischer Ebene genutzt, vor allem durch ESPON, die OECD oder auch die Kommission, um Studien auf europäischer Ebene zu verwirklichen. Der Vorzug dieser Herangehensweise ist die partielle Bewältigung der Probleme, die in der fehlenden Homogenität der Statistiken, aber auch in den teilweise starken morphologischen Unterschieden der europäischen Agglomerationen liegen.

Man muss anmerken, dass es auch andere Konzeptionen funktioneller Gebiete gibt, wie die durch die französische INSEE definierte „aire urbaine“ (urbanes Gebiet). In diesem Fall, ist es eine „aire urbaine“ oder „grande aire urbaine“ (großes urbanes Gebiet) eine Menge von zusammenhängenden Gemeinden ohne Enklave, die durch einen urbanen Pol („pôle urbain“, „unité urbain“) mit mehr als 10'000 Arbeitsplätzen gebildet wird, sowie durch ländliche Gemeinden oder urbane Einheiten („couronne périurbaine“, peri-urbaner Ring), in der mindestens 40% der ansässigen arbeitenden Bevölkerung im Pol arbeitet oder in denjenigen Gemeinden, die durch diesen angezogen werden.

Die oben angeführten Karten und die Tabelle bestätigen die Ergebnisse des vorherigen Indikators. Tatsächlich haben alle funktionalen Stadtgebiete in Rheinland-Pfalz innerhalb des Zeitraums 2000-2010 entweder eine starke Abschwächung des Bevölkerungswachstums oder sogar einen Bevölkerungsrückgang erlebt. Letztere Entwicklung trifft beispielweise auf das funktionale Stadtgebiet von Pirmasens zu, das zwischen 2000 und 2010 einen bedeutenden Verlust von 7,1% hinnehmen musste.

Analog zur saarländischen Gesamtentwicklung sieht sich das grenzüberschreitende Stadtgebiet Saarbrückens einem verstärkten Bevölkerungsrückgang gegenübergestellt (1990-2000: -0,9%; 2000-2010: -4,4%).

Im Gegensatz zur deutschen Situation, verbuchen alle funktionalen Stadtgebiete der Wallonie einen Bevölkerungsgewinn innerhalb des Zeitraums 2000-2010. Diese Entwicklung bestätigt den demografischen Wiederanstieg um die großen Städte, welcher bereits für die Entwicklung der aggregierten Gebiete identifiziert werden konnte.

Innerhalb des Zeitraums 2000-2010 können in Lothringen, mit Ausnahme von Metz, ebenfalls höhere Wachstumsraten als für das vorherige Jahrzehnt festgestellt werden. Demnach weisen Gebiete, die noch einen Bevölkerungsrückgang zwischen 1990 und 2000 erlitten hatten, einen Anstieg für den Zeitraum 2000-2010 auf. Diese Entwicklung trifft besonders auf die FUA von Thionville zu, welche einen demografischen Wiederanstieg unter Einfluss der dynamischen luxemburgischen Wirtschaft erlebt hat.

Das funktionale Stadtgebiet Luxemburgs weist für den Zeitraum 2000-2010 das bei weitem stärkste Wachstum aller analysierten Gebiete auf und profitiert somit weiter vom anhaltenden Wirtschaftswachstum des Großherzogtums, das sich vor allem in den zunehmenden Arbeitsplätzen widerspiegelt. Im Laufe des Jahrzehnts 2000-2010 betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate 3,4%, während es in derselben Periode 1% in Belgien, 0,7% in Frankreich, 0,4% in Deutschland und 0,6% im Europa der 27 betrug. In Rheinland-Pfalz stellt man fest, dass sich die positive Entwicklung entlang der Rheinachse vollzieht.

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